Auto kaufen oder mieten?

Das Auto ist speziell in Nordamerika das Fortbewegungsmittel Nummer eins. An was das liegt? Zum einen sind die öffentlichen Verkehrsmittel außerhalb der größeren Städte alles andere als ausgebaut. Zum anderen ist der Kraftstoff in den meisten Bundesstaaten oder nur gering oder komplett frei von Steuern und dadurch extrem günstig.

Wer ohne große Einschränkungen für eine längere Zeit reisen möchte, der kommt um ein Auto nicht herum.

Aber was ist besser: Ein Auto mieten oder doch eher eines kaufen?

Ich versuche nun kurz zu erläutern, was die Vor- und Nachteile beider Varianten sind. Bitte korrigiert mich, falls etwas nicht stimmen sollte.

Variante 1: Auto mieten.

Ein Auto zu mieten ist definitiv einfacher als eines zu kaufen. Ein paar Klicks und schon ist das gewünschte Auto reserviert und zum gebuchten Termin abholbereit. Diesen Service lassen sich Unternehmen wie Sixt & Co. natürlich gut bezahlen. Hinzu kommt, dass es u.U. ungemein wichtig ist sich durch die Bedingungen des Anbieters zu lesen. Immer wieder kommt es zu teuren Überraschungen nach der Rückgabe des Fahrzeugs. Um so einer Überraschung vorzubeugen lohnt es sich vorab viele verschiedene Meinungen einzuholen und sich zu informieren.

Tipp: Bei CamperHero.de kann man die Preise von über 50 Anbietern von Miet-Wohnmobilen und Campervans vergleichen und bucht außerdem immer zu deutschem Recht. Mehr Infos hier: Camper Kanada.

Für unseren Roadtrip durch die USA hatten wir ein Auto bei Sixt gebucht. Die Firma kannte ich durch Erzählungen schon aus Deutschland und auch die Website und der Vertrag schienen vertrauenswürdig. Der entscheidende Vorteil bei Sixt war jedoch die sehr geringe „underage fee“, zu Deutsch der Minderjährigkeitsaufschlag. In Nordamerika gelten alle Personen unter 25 nämlich als „underage“ und müssen deshalb teils exorbitante Aufschläge zahlen. Nicht so bei Sixt.

Als relativ neuer Anbieter auf dem nordamerikanischem Markt, verlangt Sixt pro Tag 9$* aber maximal 50$* Minderjährigkeitsaufschlag für die gesamte Mietdauer. Das ist im Vergleich zu allen anderen Anbietern enorm günstig! Im Schnitt zahlt man 20-30$ pro Tag!

Wer das „Underage-Problem“ nicht hat, sollte sich außerdem Hertz und Alamo ansehen. Hertz bietet mit einer großen Abdeckung und langjähriger Erfahrung einen hervorragenden Service (auf Hawaii hatten wir zwei Mietautos von Hertz und waren beide Male sehr zufrieden), ist aber auch nicht ganz günstig. Wem der Preis wichtiger ist, kann bei Alamo teils ziemlich günstige Schnäppchen machen.

Tipp: Immer darauf achten, dass man unbegrenzte Meilen im Paket inklusive bucht. Unter Umständen kann der Trip sonst erheblich teurer werden.

Insgesamt hat sich das Mieten eines Autos für Elias und mich mehr als gelohnt. Mit etwas Vorbereitung und Absicherung (Bilder nach dem Abholen des Autos machen, Mängel dokumentieren) ist man definitiv auf der sicheren Seite.

Kostenpunkt für 42 Tage Mietdauer* bei Sixt: 1500$.

Vorteile:

  • Geringer Aufwand: Auto abholen und zurückbringen.
  • Geringes Defektrisiko: neueste Technik, sauberes Fahrzeug, wenige Kilometer.
  • Reise muss bei Defekt nicht abgebrochen werden: neues Auto wird von der nächstgelegenen Filiale bereitgestellt, je nach Tarif: Schlüsselservice bei Verlust.

Nachteile:

  • Teurer, Underage-Zuschlag.
  • Im Schadensfall kann es je nach Vermieter zu teuren Überraschungen kommen.
  • Keine Möglichkeit im Fahrzeug zu schlafen.
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Variante 2: Auto kaufen (in Kanada!).

Die zweite Variante ist das Kaufen eines Autos. Ein Autokauf stellt zunächst eine viel größere Hürde dar, als das einfache Mieten. Zum einen wären da die Kosten für Anschaffung, Versicherung, AirCare (bei Bedarf), je nach Zustand des Autos auch noch Reparaturen und Ausstattung, zum anderen die Suche nach einem passenden Fahrzeug. Wer nicht gleich nach einem Kilometer stehen bleiben möchte, der muss in den meisten Fällen zwischen 3000 und 6000$ CAD einplanen. Viel Geld für einen Reisenden. Es gibt aber tatsächlich Situationen, in denen ein Autokauf wesentlich günstiger und teils auch die einzige Möglichkeit ist an einen fahrbaren Untersatz zu kommen.

Angenommen man hat einen Job in Victoria (Vancouver Island) gefunden, jedoch keine Wohnung in direkter Nähe zur Arbeitsstelle (wie gesagt, der ÖPNV ist meist nur sehr eingeschränkt verfügbar und oftmals keine Alternative). Nun könnte man natürlich nach einer anderen Arbeit suchen. Je nach Ort muss man aber froh sein, überhaupt Arbeit gefunden zu haben. Hat man außerdem noch Pläne irgendwann einen Roadtrip zu unternehmen oder etwas weiter weg zu fahren, so wird das Auto als alltägliches Fortbewegungsmittel durchaus attraktiv.

Ein anderes Beispiel: Zwei Reisende möchten einen Roadtrip über mehrere Monate unternehmen. Ein Auto zu mieten wäre hier viel zu teuer und außerdem vermieten die meisten Anbieter Autos nur für maximal eineinhalb bis zwei Monate.

In diesen beiden Fällen, aber auch in einigen anderen lohnt sich die Anschaffung eines PKW oder Van. Letztlich ist es auch Vorlieben und natürlich, wie immer, eine Geldfrage. Es soll auch Reisende geben, die für zwei Wochen ein Auto gekauft haben…

Ich persönlich hatte leider eher schlechte Erfahrungen mit privaten Autos (auch wenn weder ich noch mein „Verleiher“ Schuld daran hatten). Dazu aber mehr in meinem Artikel über den teuren Trip nach Victoria.

Wichtig: Für den Verkauf des Fahrzeugs immer genügend Zeit einplanen. Nicht selten verkaufen Reisende ihr Auto zu Ramschpreisen, nur weil der Flug einen Tag später geht. Im Juli und August aber auch in der Winterzeit ist der Verkauf meist schwieriger als im Frühling oder Herbst.

Vorteile:

  • Für längere Benutzung wesentlich günstiger.
  • Man kann damit tun und lassen, was man möchte.
  • Vans eignen sich optimal für das kostengünstige Übernachten während eines Roadtrips.

Nachteile:

  • Teuer in der Anschaffung.
  • Reparaturen können kostspielig werden.
  • Der Verkauf gestaltet sich je nach Jahreszeit und Nachfrage als sehr schierig/langwierig.

Fazit:

Wer längere Zeit reist, auf ein Auto angewiesen ist oder wem das Mieten eines Autos zu teuer ist, der sollte sich definitiv mit dem Kauf eines Autos beschäftigen. Mit etwas Glück bekommt man beim Verkauf auch einen Großteil der Ausgaben wieder zurück. Der Autokauf birgt aber auch Risiken. Vor allem private Anbieter verschweigen teilweise Mängel am Auto, um mehr Geld zu bekommen. Viele PKWs, vor allem die von anderen Reisenden (sorry aber das ist die Wahrheit), sind durch fehlende Überprüfung (in Nordamerika gibt es keinen TÜV/DEKRA) in desolatem Zustand. Hier muss man am Besten vor dem Kauf eine Überprüfung des Fahrzeuges durchführen lassen.

Wer nur kurz auf ein Auto angewiesen ist und den ganzen Aufwand vermeiden möchte, der mietet ein Auto. Stünde ich noch einmal vor solch einer Reise, ich würde mich wieder und wieder für das Mieten entscheiden.

Du hast Fragen, Anregungen etc.? Kommentiere die Seite und ich versuche dir zu helfen.

Quellen:

  • http://car-rental.sixt.com/rental-service/terms-conditions/
  • http://www.sueddeutsche.de/geld/haftungsfrage-bei-mietwagen-worauf-die-kunden-achten-muessen-1.1110805
  • http://en.wikipedia.org/wiki/AirCare_(emissions_program)

* Stand Juli 2014