Nachdem die ersten neun Tage in Vancouver wie im Fluge vergangen waren, ging es am 2. Oktober weiter in Richtung Banff. Das Wetter in Vancouver war die letzten Tage so schlecht gewesen, dass man nicht wirklich viel hatte machen können. Wie das meistens so ist, wenn man irgendwo abreist: das Wetter wird besser. So war es auch in Vancouver.

Ein bisschen wehmütig stieg ich am Mittwochabend in den Greyhound-Bus, freute mich aber doch sehr auf Banff und die beeindruckende Natur. Die Fahrt war unangenehm. Obwohl der Bus zur neuen “Flotte” des Unternehmens gehörte, waren die Sitze alles andere als bequem. Man konnte nicht richtig schlafen, gleichzeitig aber auch nicht richtig sitzen. Da half dann auch nicht, dass man unterwegs über das Bus-WLAN surfen konnte. Hinzu kamen die langen Ansagen des Busfahrers vor jeder Haltestelle. Ich war froh und müde, als wir am nächsten Morgen in Banff ankamen.

Angekommen in Banff.

Die Müdigkeit war aber recht schnell verflogen, als ich aus dem Bus stieg. Kalte Luft schlug mir entgegen. Es war so kalt, dass man den Atem sehen konnte. Ich war noch die Temperatur in Vancouver gewöhnt und dementsprechend gekleidet. Das erste, was ich also in Banff tat war: Winterjacke auspacken und Schal anziehen. Mit dem schweren Rucksack auf dem Rücken gingen Patrick, Kevin und ich zu Tim Hortons (Blueberry Muffins sind ein Traum!!!) und anschließend in Richtung “Downtown”. Banff ist eigentlich eine reine Touristenstadt. Vermutlich würde sie ohne den Banff National Park, der die Stadt umschließt niemals existieren. Die Banff Avenue, also die Hauptstraße Banffs, ist tagsüber von Touristen belagert, die mehr durch ihre Fotoapparate schauen, als wirklich diese atemberaubende Gegend zu genießen (ich werde hier keine Nationalitäten nennen, die meisten werden aber wissen, welche ich damit meine 🙂 ).

Schräg laufend (mit 23 KG auf dem Rücken geht das nicht anders) suchten wir nach der richtigen Bushaltestelle, von der aus wir mit dem Bus zum etwas abgelegenen HI Hostel fuhren. Angekommen im Hostel war ich beeindruckt. Das Hostel war mit Abstand das Beste, was ich in den letzten Jahren besucht hatte. Es bestand aus zwei Gebäuden, die innen einer großen Schweizer Hütte ähnelten und auch dieselbe Atmosphäre ausstrahlten. Zu dritt bezogen wir ein Sechsbettzimmer. Noch gerädert von der Busfahrt mussten wir uns beeilen, denn der Grund für unsere frühere Abreise aus Vancouver war ja die anstehende Job fair gewesen, auf der die ansässigen Skiresorts ihre Jobs bewarben und z.T. direkt schon an Traveller vergaben. Und welcher Skifahrer/Snowboarder träumt nicht davon eine Saison im Skigebiet zu arbeiten!?!

In aller Hektik bastelten wir unsere Resumes (Lebensläufe) zusammen und fuhren mit dem Bus zurück ins Städtchen. Im Ort mussten wir auch nicht lange suchen: vieeeele junge Leute strömten zum Einkaufshaus, in dem die Job fair stattfand. Ich war so überrascht von der Anzahl der Leute, die hier nach einem passenden Job Ausschau hielten, dass ich zu Beginn auch überhaupt keinen Plan davon hatte, was ich tun sollte. Überall standen Schlangen, manche mehr, manche weniger lang.

Nach anfänglichen Orientierungsproblemen begann ich damit, mein Resume an verschiedene Arbeitgeber zu verteilen. Zu Beginn hatte ich noch keine konkreten Vorstellungen, was ich genau arbeiten wollte. Diese Entscheidung wurde mir aber von nahezu allen Arbeitgebern abgenommen. Aufgrund meiner (einzigen) Vorerfahrung als Dishwasher und Prep Cook wurde ich ohne Nachfrage in die jeweilige Kategorie Prep Cook bzw. Line Cook einsortiert. Ich war mir im ersten Moment gar nicht so sicher, ob ich das wirklich machen wollte, fand mich aber bald damit ab und bewerbe mich mittlerweile aktiv dafür. Den größten Andrang gab es auf die beiden Skiressorts Sunshine Village und Lake Louise. Beide Ressorts stellen ihren Mitarbeitern jeweils einen Skipass für die komplette Saison zur Verfügung. Bei einem Preis von 900 bzw. 1400 Dollar versteht sich die Nachfrage von selbst. Warum also nicht auch mal versuchen, dachte ich mir. Die Konkurrenz war zwar riesig, aber gut ein Versuch schadet nie. Nach knapp eineinhalb Stunden anstehen war ich endlich an der Reihe. Ich zeigte der Dame mein Resume und schilderte ihr kurz was ich gerne arbeiten würde. Zu meiner Überraschung wurde ich auch gleich zu einem Interview vor Ort eingeladen. Der Koch höchst persönlich führte das Jobinterview und vermittelte mir insgesamt ein gutes Gefühl. Ich war schlussendlich Feuer und Flamme für den Job, obwohl er im Vergleich zu anderen Jobs nur mit dem Mindestlohn vergütet wurde. War mir aber egal. Zum Schluss fragte ich, wie groß meine Chancen denn stehen würden. Gut meinte der Koch, der nebenbei auch noch aus Deutschland kam. Ich solle einfach den nächsten Tag abwarten und meine Emails prüfen. Ich war daraufhin in Hochstimmung.

Den nächsten Tag verbrachte ich damit halbstündlich meine Emails zu checken. Ob Posteingang, Unbekannt- oder Spamordner: Nichts wurde ausgelassen. Doch die Bestätigung kam nicht an. Ich dachte mir ok, kann passieren. Doch auch in den folgenden Tagen kam keine Email an. Ich war down. Am Samstag hatte ich ein Stimmungstief dass es krachte. Nichts aber auch gar nichts konnte mich motivieren. Dabei hatte ich ja erst mit der Jobsuche begonnen 😉 Aber so bin ich nunmal. Schnell euphorisch und umso enttäuschter, wenn etwas nicht klappt. Erst eine kleine Tour durch Banff und eine Skype-Session mit meiner Family sorgte für Aufschwung.

Eines hatte ich nun tatsächlich an Leib und Seele erfahren: Das kanadische Ja ist nicht gleich dem Unseren.

Während die Jobsuche nicht auf Anhieb so funktionierte, wie ich mir das erträumt hatte, hatten wir zum ersten Mal richtig Glück mit dem Wetter. Es regnete nicht und an zwei Tagen hatten wir strahlend blauen Himmel. So auch am Sonntag. Spontan fragte ich Lexa aus meiner Facebook Gruppe, ob sie Lust hätte mit uns Dreien eine kleine Wandertour zu machen. Nichts großes, da ich auch noch keine festen Wanderschuhe hatte. Schlussendlich waren wir zu zehnt 🙂 Wir wanderten auf den Tunnel Mountain, der in nächster Nähe zu Banff liegt.

Mir war schon vorher bewusst, dass die Natur hier einzigartig ist. Das was ich aber sah übertraf all meine Erwartungen! Unter mir erstreckte sich ein Tal, das zum allergrößten Teil von Wald bedeckt war. Dazwischen schlängelte sich ein Fluss und hie und da waren kleine Häuser zu sehen. In Worte kann man diese Eindrücke eigentlich gar nicht fassen.

Auf der Spitze des Berges saßen wir bis die Sonne langsam unterging, hörten Musik, tratschten den “Travellertratsch” und genossen das Freiheitsgefühl 😉

Am Abend war zum ersten Mal Party angesagt. Für einen Ort mit 7000 Einwohnern hat Banff recht viele Clubs und Pubs. Sehr zur Freude der jungen Leute. Sobald die Sonne untergegangen ist verschwinden die Touristen von den Straßen und viele Traveller aber auch Einheimische belagern die Straßen. Alkohol ist hier so eine Sache, da man nicht in der Öffentlichkeit trinken darf. Mit etwas Kreativität umgeht man aber auch diese Vorschrift 😉 Es war ein Hammer-Abend, wenn auch zu kurz. Die Clubs schließen um zwei Uhr und eine halbe Stunde später sind die Straßen wie ausgestorben. Das war schon eine interessante Erfahrung…

Der folgende Tag verging ziemlich schnell, da wir bis zwölf schliefen. Überhaupt schlafe ich hier in Banff um einiges mehr als in Vancouver, wo ich meistens schon um neun Uhr fit und geduscht war. Vermutlich hat das etwas mit der Bergluft zu tun 🙂 Nachdem wir ausgeschlafen waren machten wir uns zu unserem heutigen Ziel auf: das Job Resource Center (Jobcenter). Dort meldeten wir uns an und ließen unsere Resumes überarbeiten und ausdrucken. Eine Mitarbeiterin konnte mir sogar direkt eine Adresse für einen Job als Prep Cook geben. Nachdem ich dort mein Resume abgegeben und einen Fragebogen ausgefüllt hatte, war der (Geschäfts-)Tag auch schon gelaufen.

Heute ist Dienstag und trotz schlechter Vorhersage scheint aktuell die Sonne 🙂 Wir gehen in Kürze noch einmal zum JRS und anschließend zu diversen Hotels und Restaurants. Leider mussten wir heute früh aus unserem Hostelzimmer ausziehen, weil in unserem Gebäude die Job fair für Sunshine Village stattfindet. Vermutlich wird hier morgen und übermorgen die Hölle los sein. Hoffentlich finde ich demnächst einen Job, denn hier wird die Situation immer krasser. So viele Traveller für vergleichsweise wenige Jobs.

So viel für den Moment.

Freue mich über Feedback 🙂

Bow River Banff